Was ist Anforderungsmanagement und welchen Zweck hat es?

In den kommenden Monaten werden wir in diesem Blog Potenziale und Einsatzbereiche von Anforderungsmanagement aus unserer Beratungspraxis heraus beschreiben, nützliche Tipps geben und Diskussionen anregen. Als Vorbereitung dieser Reihe von Fachbeiträgen will ich mich heute kurz und allgemeinverständlich der Frage widmen, was man unter Anforderungsmanagement versteht.

 

Was ist Anforderungsmanagement?

was ist anforderungsmanagementAnforderungsmanagement (AM) ist der systematische Umgang mit den Anforderungen, die an ein Produkt gestellt werden. Diese Anforderungen kommen von all denjenigen, die mit diesem Produkt zu tun haben bzw. bei dessen Entwicklung und Produktion beteiligt sind.

Interessant wird die Beschäftigung mit Anforderungen dann, wenn ein Produkt neu entwickelt oder verändert wird. Denn dann stellen sich die Fragen nach den Eigenschaften, die es künftig haben soll, zum Beispiel nach Einsatzzweck, Materialbeschaffenheit, Aussehen, Preis etc. In der Regel haben die Parteien, die mit dem Produkt zu tun haben, zum Beispiel Produktentwickler, Lieferanten, Produktmanager sowie Vertriebs- und Marketingverantwortliche, unterschiedliche Antworten auf die Fragen nach den Eigenschaften: unterschiedliche Anforderungen.

Anforderungsmanagement bedeutet, diese Anforderungen strukturiert zu erfassen, zu dokumentieren, zu prüfen, mit den Beteiligten abzustimmen und weiterzuentwickeln.

 

Zweck des Anforderungsmanagements

zweck des anforderungsmanagementsZweck des Anforderungsmanagements ist, dass alle Beteiligten in jeder Phase des Entwicklungs- oder Änderungsprozesses ein gemeinsames Verständnis von den Anforderungen haben und somit an einem Strang ziehen. Auf organisatorischer Ebene wird durch Anforderungsmanagement vermieden, dass es durch Missverständnisse bzw. Konflikte zwischen den Beteiligten zu Termin- und Budgetüberschreitungen kommt. Auf Produktebene kann Anforderungsmanagement präventiv verhindern, dass Bestandteile eines Produkts nicht zusammenpassen, dem Produkt notwendige Eigenschaften fehlen oder es ungewünschte Eigenschaften hat, also immer wieder nachgebessert werden muss.

Als Methode zur Planung, Abstimmung und Koordination ist Anforderungsmanagement insbesondere dort von großer Bedeutung, wo viele Parteien gemeinsam an der Entwicklung komplexer Produkte arbeiten. Ab einem gewissen Komplexitätsgrad ist die Entwicklung eines Systems ohne Anforderungsmanagement gar nicht mehr möglich, da der Zeitaufwand für Abstimmungen und Korrekturen die Entwicklung zum Stillstand und die Kosten zur Explosion bringt.

 

Vorsicht: Fehler im Anforderungsmanagement

fehler im anforderungsmanagement Anforderungsmanagement ist aber kein Zauberwerk, durch das der Erfolg einer Produktentwicklung garantiert ist. Wie bei allen menschlichen Aktivitäten werden auch im Anforderungsmanagement und in den entsprechenden Dokumenten, beispielsweise in Lastenheften und Pflichtenheften, Fehler gemacht. Und durch fehlerhafte Anforderungen können die Vorteile des Anforderungsmanagements wieder „verspielt“ werden; im schlimmsten Fall kommt es sogar zur Entwicklung eines mangelhaften Produkts.

Die meisten dieser Fehler entstehen, wenn Anforderungsmanagement nicht gut in die Praxis umgesetzt wird. Zum Beispiel, wenn die Anwender es nicht konsequent einsetzen, weil es nicht perfekt an ihren betrieblichen Alltag angepasst wurde, weil Anforderungen nicht hinreichend zwischen den Beteiligten abgestimmt wurden oder weil der Umgang mit den entsprechenden Tools zu aufwendig und kompliziert ist. Daher sind die Vermittlung von Anforderungsmanagement – von Mensch zu Mensch – und die Prüfung von Anforderungsdokumenten von großer Bedeutung für die erfolgreiche arbeitsteilige Entwicklung komplexer Produkte.