Fachliteratur zum Thema Anforderungsmanagement

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Auf dieser Seite stellen wir Ihnen folgende Titel vor:

Anforderungsmanagement in sieben Tagen – Der Weg vom Wunsch zur Konzeption
(Autor: Thomas Niebisch. Springer-Verlag 2013)

Anforderungsmanagement in der Produktentwicklung – Komplexität reduzieren, Prozesse optimieren, Qualität sichern
(Herausgeber: Roland Jochem, Katja Landgraf. Symposion Publishing 2011)

Basiswissen Requirements Engineering
(Autoren: Klaus Pohl, Chris Rupp. dpunkt.verlag 2015)

Requirements-Engineering und -Management – Aus der Praxis von klassisch bis agil
(Autoren: Chris Rupp & die Sophisten. Hanser Verlag 2014)

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Anforderungsmanagement in sieben Tagen – Der Weg vom Wunsch zur Konzeption

thomas niebisch: anforderungsmanagement in sieben tagenAutor: Thomas Niebisch
Springer-Verlag 2013
240 Seiten
29,99 Euro (Softcover) bzw. 22,99 Euro (E-Book)
Zur Buchpräsentation auf der Verlagswebsite
Buchcover: © Springer

 

 

Zielgruppe:

Der Autor Thomas Niebisch hat den Anspruch, das Thema Anforderungsmanagement „für Jedermann“ verständlich zu machen. Sein Buch richtet sich also nicht an Anforderungsmanager, sondern an Projektleiter und -mitarbeiter im IT-Umfeld, die immer wieder mit dem Thema konfrontiert sind, wenn sie zum Beispiel Anforderungen an eine IT-Lösung formulieren müssen. Absicht des Autors ist, dieser Zielgruppe praxisnah und unterhaltsam zu vermitteln, welche Bedeutung Anforderungsmanagement in Projekten hat und welche Möglichkeiten es bietet. Er möchte seine Leser dazu bringen, Anforderungsmanagement „als Bereicherung zu empfinden und damit verbundene Aufgaben erfolgreicher und gelassener in Angriff zu nehmen“. Aus unserer Sicht ist das Buch nicht nur für Interessierte aus dem IT-Bereich geeignet, sondern für alle, die sich eine gute Übersicht über das Thema „Anforderungsmanagement“ verschaffen wollen.

Inhalt:

Das Buch beschreibt beispielhaft die Anwendung von Anforderungsmanagement bei der Einführung eines IT-Systems zur Kundenpostbearbeitung in einem mittelständischen Unternehmen. Dabei wird der Projektablauf wie eine Geschichte erzählt, hauptsächlich in Form lebendiger Dialoge zwischen dem Abteilungsleiter der Kundenpostbearbeitung und dem IT-Spezialisten. An entscheidenden Stellen werden zusätzlich fachliche Inhalte durch Kommentare und Grafiken erläutert.

Der Projektablauf, gegliedert in sieben Tage, entspricht der Gliederung des Buchs. Nach einer einführenden Klärung grundsätzlicher Fragen zum Anforderungsmanagement beginnt der erste Tag, an dem Hagen, der Abteilungsleiter, und Ole, der IT-Spezialist, die Ist-Situation analysieren und für das Projekt- und Anforderungsmanagement Arbeitspakete definieren.

Am zweiten Tag folgt die Planung des Anforderungsmanagements, also das Anfordern von Ressourcen, das Festlegen eines Vorgehensmodells, die Abstimmung bzw. Definition von Standards und Prioritäten etc.

Am dritten Tag, der unter dem Motto „Ausgangspunkt finden“ steht, definieren Hagen und Ole die Ziele und Nicht-Ziele sowie die Systemgrenzen und führen eine Stakeholder-Analyse durch.

Darauf folgt am vierten Tag die Vorbereitung der Anforderungserhebung inklusive der Vereinbarung von Modellen und Standards, ihre Durchführung in Form von Workshops sowie ihre Auswertung.

Am fünften Tag dokumentieren Hagen und Ole die Anforderungen, wobei sie sich ausführlich mit Prozessbeschreibungen, der Formulierung von Anforderungen und der Beschreibung von Datenstrukturen und Schnittstellen befassen, aber auch mit der Dokumentation von Berechtigungen.

Am sechsten Tag folgt die Qualitätssicherung der Anforderungen durch deren Prüfung auf formale und inhaltliche Mängel, sowohl durch Hagen und Ole als auch durch die Stakeholder.

Am siebten und letzten Tag widmen sich Hagen und Ole der „Beherrschung des Chaos“, also der Verwaltung der Anforderungen – und damit auch dem Thema der horizontalen und vertikalen Nachverfolgbarkeit.

Das Buch endet aber nicht mit dem siebten Tag. Es folgen noch rund 80 Seiten, auf denen zunächst Hagen und Ole die Arbeit der vergangenen Tage und die gewonnenen Erkenntnisse Revue passieren lassen und über den Einsatz des Anforderungs- und Testmanagements in zukünftigen Projektphasen diskutieren. Ergänzt wird die Geschichte von Hagen und Ole durch umfangreiches Bonusmaterial. Dieses umfasst die Vorstellung verschiedener Vorgehensmodelle und Anleitungen bzw. Beispiele zur Definition von Arbeitspaketen und zur Formulierung von Anforderungen an Daten, Schnittstellen, Berechtigungen, Compliance etc. ebenso wie beispielhafte grafische Darstellungen von Prozessketten.

Besonderheiten:

Die entscheidende Besonderheit des Buchs ist seine Darstellung eines schwer zu vermittelnden Themas in Form eines Dialogs zwischen zwei Personen und einer Entwicklung über 7 Tage. Da im Dialog zwischen Hagen und Ole auch sehr theoretisch wirkende Themen und Fragestellungen auf den Boden der Tatsachen gestellt und praktisch diskutiert werden, werden sie auch für „Einsteiger“ verständlich. Und indem der Leser die beiden Figuren durch das Projekt begleitet, ist er quasi mit in den Ablauf eingebunden und hat eine größere Motivation, dabei zu bleiben und weiterzulesen, als beim Lesen eines typischen Lehrbuchs. Gleichzeitig bewegt sich die Darstellung aber immer auch auf einem fachlich hohen Niveau. Positiv hervorzuheben ist auch, dass die Geschichte von Hagen und Ole durch eine Vielzahl übersichtlich gestalteter Grafiken und Tabellen ergänzt wird, am Ende jedes Kapitels eine Zusammenfassung in Form eines Merkzettels steht. Auch weist der Autor auf die von ihm verwendeten Quellen hin und liefert für jedes Kapitel ein Literaturverzeichnis.

Zum Autor:

Thomas Niebisch ist Diplom-Informatiker und laut Kurzvorstellung im Buch „seit 20 Jahren als Projektleiter und Berater sowohl auf dem Gebiet des Anforderungsmanagements als auch in der Prozessberatung“ tätig. Er arbeitet als Prozessarchitekt für den IT-Dienstleister Gisa GmbH.

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Anforderungsmanagement in der Produktentwicklung – Komplexität reduzieren, Prozesse optimieren, Qualität sichern

jochem-landgraf_150pxHerausgeber: Roland Jochem, Katja Landgraf
Symposion Publishing 2011
282 Seiten
49,00 Euro (Hardcover inkl. E-Book)
Zur Buchpräsentation auf der Verlagswebsite
Buchcover: © Symposion

 

 

Zielgruppe:

Das Buch ist besonders interessant für Leser, die fundierte Kenntnisse im Anforderungsmanagement haben und anhand des Inhaltsverzeichnisses die für sie besonders interessanten Themen auswählen können. Da es sich insgesamt um 11 Artikel handelt und jeder davon das Thema Anforderungsmanagement aus einer ganz eigenen Perspektive betrachtet, werden die allermeisten Requirements Engineers hier ihren Horizont erweitern können und zumindest einzelne Beiträge mit Gewinn lesen. Die Herausgeber selbst nennen „Produktentwickler, Ingenieure und Innovationsmanager“ als Zielgruppe.

Inhalt:

Das Buch ist in die vier Abschnitte „Anforderungen managen“, „Innovationsprozesse optimieren“, Komplexität reduzieren“ und „Qualität sichern“ gegliedert und enthält 11 Artikel unterschiedlicher Autoren.

Zunächst definiert die Herausgeberin Katja Landgraf in einer einleitenden Übersicht das Anforderungsmanagement und beschreibt kurz seine historische Entwicklung und seine wichtigsten Einsatzbereiche und Methoden. Dann beginnt der Abschnitt „Anforderungen managen“ mit dem Artikel „Qualitätssicherung in der Anforderungsspezifikation“ von Chris Rupp. Hier erläutert Rupp, wie Anforderungsspezifikationen systematisch und präzise formuliert oder qualitativ verbessert werden können, insbesondere unter Anwendung eines Regelwerks und einer Anforderungsschablone, die von Rupp bzw. ihrem Unternehmen, der Sophist GmbH, entwickelt wurden.

Es folgt Christoph Dycks Artikel „Anforderungsmanagement für Automobil- und Avioniksysteme“ mit drei Beispielen aus der Beratungspraxis des Autors. Er stellt zunächst die Anforderungserhebung mittels Requirements-Capture-Methode anhand eines Kampfflugzeugsimulators vor, dann die Beherrschung komplexer Entwicklungsprozesse durch funktionsorientiertes Anforderungsmanagement in der Automobilentwicklung und zuletzt die Sicherstellung der Produkt- und Systemqualität durch durchgängiger Anforderungen bei der Entwicklung eines missionstaktischen Arbeitsplatzes.

Im Artikel „Die Planung komplexer Produkte“ beschreiben die Autoren Sandra Klute, Constanze Kolbe und Robert Refflinghaus von der TU Dortmund die Entwicklung eines IT-Systems zur systematischen Erfassung, Strukturierung und Analyse von Anforderungen in komplexen Entwicklungsprojekten.

Der zweite Abschnitt des Buchs, „Innovationsprozesse optimieren“, beginnt mit dem Thema „Anforderungsmanagement im Produktmarketing mit PLM“. Die Autoren Bert Klude, Altug Metin und Armin Ulbrich von der InMediasP GmbH zeigen, dass im Produktmarketing ein durchgängiges Anforderungsmanagement benötigt wird, um Produktideen zentral zu erfassen, zu verwalten, zu bewerten und im Laufe des Produktentwicklungsprozesses zu managen. Als Lösung beschreiben sie die Integration von Anforderungsmanagement in die Product-Lifecycle-Management-Prozesse eines Unternehmens auf Grundlage eines Product-Data-Management-Systems.

Im folgenden Artikel, „Steigerung der Wertschöpfung in der automobilen Entwicklung“, beschreibt Hansjörg Maier sehr anschaulich, wie sich die Porsche AG in den 1990er-Jahren durch Einführung des Porsche-Verbesserungsprozess (PVP) an ein verändertes Wettbewerbsumfeld anpasste. Anhand des Beispiels der Porsche AG veranschaulicht Maier, welchen Einfluss die Gestaltung von Entwicklungsprozessen auf die Wirtschaftlichkeit eines Unternehmens hat und wie die Wertschöpfung entlang der Produktentstehung verbessert werden kann.

Katja Landgraf und Roland Jochem gehen dann noch weiter ins Detail und beschreiben in Bezug auf die Automobilentwicklung ausführlich die „Steigerung der Innovationsqualität mit dem L-Modell“. Als eine Erweiterung des V-Modells wird das L-Modell als besonders geeignete Lösung für die Planung und Steuerung von Produktinnovationen dargestellt. Das L-Modell integriert Anforderungs- und Innovationsmanagement zu einem „Innovations-Requirements-Prozess“ und soll insbesondere eine „Erhöhung der Innovationsqualität in den frühen Phasen des Innovationsprozesses“ ermöglichen. Die Autoren stellen zudem einen webbasierten „Vorgehensleitfaden“ zur Implementierung von Innovationen vor.

Im dritten Abschnitt des Buchs, „Komplexität reduzieren“, widmet sich Henning Butz in seinem Artikel „Systemkomplexität methodisch erkennen und vermeiden“ sehr detailliert dem Verhältnis zwischen der Komplexität und der Sicherheit von Systemen. Er definiert zunächst Komplexität als ein Zusammenspiel von Kompliziertheit und Dynamik, beschreibt dann verschiedene „Komplexitätseffekte und ihre Folgen für die Systemsicherheit“ und stellt Methoden zur Beherrschung von Systemkomplexität vor. Dann geht er anhand des Beispiels vom Absturz der Ariane V im Jahr 1996 bis ins Detail des Programmcodes, um die Mängel im Entwicklungsprozess aufzuzeigen und entsprechende Lösungen vorzustellen.

Die „Reduzierung von Komplexität mit Axiomatic Design“, einer Methode zur systematischen Umsetzung von Kundenanforderungen, ist das Thema des Artikels von Claus Morgenstern und Reinhard Liesigk. Die Autoren erläutern die Methode des Axiomatic Design, beruhend auf dem bekannten V-Modell, und zeigen, wie durch Axiomatic Design die Entwicklung von Produkten mit minimaler Komplexität möglich ist, sodass „die Funktionsanforderungen an ein Produkt unabhängig voneinander geändert werden können“. Als Praxisbeispiel verwenden sie die Entwicklung von Leuchtstofflampen.

Der vierte Abschnitt, „Qualität sichern“, beginnt mit dem Artikel „Modellbasiertes Produktqualitätscontrolling“ von Stefan Häusler und Axel Hahn. Die Autoren stellen hier ein modellbasiertes Konzept in Form eines „integrierten Modellierungsframeworks“ für das Produktqualitätscontrolling vor, mit welchem Qualität entwicklungsbegleitend schneller bzw. zeitnäher geprüft und Reviewprozesse stärker automatisiert werden können. Dabei handelt es sich um einen „anforderungsbasierten Qualitätsbewertungsansatz“, basierend auf einem „Eclipse Process Framework“ zur Prozessmodellierung und einer „Eclipse workbench“ zur Modellintegration.

Im abschließenden Artikel, „Software-Anforderungen in einem agilen Umfeld“, stellt Annegret Kampe zunächst fest, dass die Dokumentation und qualitative Absicherung von Anforderungen insbesondere in agilen Entwicklungsumgebungen oft zu kurz kommen. Kampe erläutert zunächst die „Scrum“-Methode, u.a. anhand des „Agilen Manifests“, und beschreibt Möglichkeiten, Anforderungsmanagement optimal in agile Entwicklungsprozesse bzw. das Scrum-Framework zu integrieren.

Besonderheiten:

Auch wenn einzelne Darstellungen durch ihren Praxisbezug geeignet sind, Neulinge an das Thema AM heranzuführen und auf dieses neugierig zu machen, bewegen sich die Artikel überwiegend auf hohem bis sehr hohem fachlichen Niveau. Sie entsprechen wissenschaftlichen Kriterien und enthalten jeweils ein Quellenverzeichnis. Sehr positiv hervorzuheben ist die leserfreundliche Gestaltung: Die Artikel haben einen Umfang von je ca. 20 Seiten, ein übersichtliches Layout und erleichtern durch viele Illustrationen das Verständnis der oft komplizierten Materie. Eine Kurzbeschreibung des Inhalts in drei Stichpunkten am Anfang und eine Inhaltszusammenfassung auf ca. einer Seite am Ende jedes Artikels erleichtern zudem die schnelle Übersicht und die Rekapitulation des Gelesenen.

Bei den Autoren, die aus der Praxis in ihren Unternehmen und Forschungseinrichtungen berichten, beinhaltet der Praxisbezug teilweise auch Eigenwerbung: Die präsentierten Projekte sollen eindeutig auch die Leistungsfähigkeit des jeweiligen Unternehmens bzw. Forschungsbereichs verdeutlichen.

Zu den Herausgebern:

Prof. Dr.-Ing. Roland Jochem ist Leiter des Fachgebiets Qualitätswissenschaft am Institut für Werkzeugmaschinen und Fabrikbetrieb an der TU Berlin und Autor bzw. Herausgeber zahlreicher Fachpublikationen. Dr.-Ing. Katja Landgraf ist Geschäftsführerin der Slitisa Consulting, eines Beratungsunternehmens für Geschäftsprozessoptimierung.

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Basiswissen Requirements Engineering

Autoren: Klaus Pohl, Chris Rupp
dpunkt.verlag 2015
192 Seiten
29,90 Euro (Hardcover) bzw. 23,99 Euro (E-Book)
Zur Buchpräsentation auf der Verlagswebsite
Buchcover: © dpunkt

 

 

Zielgruppe:

Das Buch richtet sich insbesondere an Leser, die sich als Certified Professional for Requirements Engineering – Foundation Level – zertifizieren lassen wollen. Das Buch ist speziell zur Vorbereitung auf die entsprechende Prüfung konzipiert, eignet sich aber auch für alle Personen mit Grundkenntnissen im Anforderungsmanagement, die ihr Wissen systematisch erweitern wollen.

Inhalt:

„Basiswissen Requirements Engineering“ ist in 9 Kapitel gegliedert, die in ihrer Abfolge dem chronologischen Ablauf eines RE-Projekts entsprechen. Zunächst werden in Kapitel 1 „Einleitung und Grundlagen“ das Requirements Engineering definiert, die Tätigkeiten eines Requirements Engineers beschrieben und eine Übersicht über Arten von Anforderungen gegeben.

Anschließend zeigt Kapitel 2, „System und Systemkontext abgrenzen“, wie der Systemkontext eines Systems und die Beziehungen dieses Systems zu seinem Systemkontext identifiziert werden können, also z.B. die Beziehungen zu Personen, anderen Systemen, Prozessen etc. Zudem wird hier erläutert, wie ein System von seinem Kontext abgegrenzt werden kann und wie der Systemkontext von seiner irrelevanten Umgebung abgegrenzt werden kann.

In Kapitel 3 wird dann dargestellt, wie man anhand der verschiedenen Anforderungsquellen (Stakeholder, Dokumente, bereits laufende Systeme etc.) „Anforderungen ermitteln“ kann. Hierzu werden u.a. Ermittlungs- und Befragungstechniken zur Ermittlung des Wissens von Stakeholdern, dokumentenzentrierte Techniken zur Wiederverwendung von Anforderungen bestehender Systeme, Beobachtungstechniken zur Beobachtung der Stakeholder bei der Arbeit und Kreativitätstechniken zur Entwicklung neuer Anforderungen ebenso beschrieben wie unterstützende Techniken, z.B. Mindmapping, Use-Case-Modelling und Prototyping. Außerdem wird in diesem Kapitel die Kategorisierung von Anforderungen nach dem Kano-Modell (in Basisfaktoren, Leistungsfaktoren und Begeisterungsfaktoren) vorgestellt.

Die nächsten drei Kapitel widmen sich auf insgesamt 60 Seiten der Dokumentation von Anforderungen. Zunächst wird in Kapitel 4. „Anforderung dokumentieren“ grundlegendes Wissen zur Dokumentation vermittelt, also die Unterscheidung zwischen der Strukturperspektive, der Funktionsperspektive und der Verhaltensperspektive von Anforderungen, die Dokumentation in natürlicher Sprache, durch Modelle oder als Mischform sowie die Unterscheidung zwischen verschiedenen Arten von Dokumentenstrukturen. Außerdem werden Qualitätskriterien für Anforderungsdokumente (eindeutig und konsisent, klar strukturiert, modifizierbar und erweiterbar, vollständig, nachverfolgbar) sowie auch für die einzelnen Anforderungen (abgestimmt, eindeutig, notwendig, konsistent, prüfbar, realisierbar, verfolgbar, vollständig, verständlich) vorgestellt. Das Kapitel schließt mit Hinweisen zur Erstellung und Nutzung eines Glossars.

In Kapitel 5. wird vermittelt, wie man „Anforderungen natürlichsprachig dokumentieren“ kann, welche Fehler dabei häufig auftreten und wie diese durch die Befolgung von Grundregeln und durch die Verwendung von Satzschablonen vermieden werden.

Kapitel 6., „Anforderungen modellbasiert dokumentieren“, stellt Modelle zur Dokumentation von Anforderungen vor, insbesondere die Zielmodellierung durch Und-Oder-Bäume und die Erstellung von Use-Cases mittels Diagrammen. Hier wird nochmals genauer auf die drei Perspektiven (Struktur-, Funktions- und Verhaltensperspektive) eingegangen und gezeigt, wie diese modellhaft umgesetzt werden können, z.B. die Strukturperspektive in Entity-Relationship-Diagrammen und UML-Klassendiagrammen, die Funktionsperspektive in Datenflussdiagrammen und UML-Aktivitätsdiagrammen sowie die Verhaltensperspektive in Statecharts und UML-Zustandsdiagrammen.

Es folgt Kapitel 7., „Anforderungen prüfen und abstimmen“, welches zunächst Grundlagen der Prüfung und Abstimmung von Anforderungen vermittelt und dann die drei Qualitätsaspekte Inhalt, Dokumentation und Abgestimmtheit sowie deren jeweilige Prüfkriterien ausführlich beschreibt. Anschließend werden sechs Prinzipien der Prüfung von Anforderungen beschrieben:

1. die Beteiligung der richtigen Stakeholder, 2. die Trennung von Fehlersuche und Fehlerkorrektur, 3. die Prüfung aus unterschiedlichen Perspektiven, 4. der geeignete Wechsel der Dokumentationsform, 5. die Konstruktion von Entwicklungsartefakten und 6. die wiederholte Prüfung.

Es folgt die Vorstellung von sechs Techniken zur Anforderungsprüfung:

1. Stellungnahme, 2. Inspektion, 3. Walkthrough, 4. Perspektivenbasiertes Lesen, 5. Prüfung durch Prototypen und 6. der Einsatz von Checklisten.

Der zweite, kürzere Teil des Kapitels widmet sich der Abstimmung von Anforderungen, welche hier in vier Bereiche unterteilt ist:

1. Konfliktidentifikation, 2. Konfliktanalyse, 3. Konfliktlösung, 4. Dokumentation der Konfliktlösung

Kapitel 8, „Anforderungen verwalten“, beschreibt die Attribuierung von Anforderungen (also das strukturierte Erfassen ihrer Attribute – z.B. des Autors, der Version, der juristischen Verbindlichkeit etc. – in einer Schablone bzw. Tabelle), das Sichten, das Priorisieren, das Sicherstellen der Verfolgbarkeit sowie das Versionieren von Anforderungen und zudem das Verwalten von Anforderungsänderungen. Abschließend wird noch in kurzer Form das Messen von Anforderungen thematisiert, womit z.B. das Messen der Anzahl identifizierter Fehler oder durchgeführter Änderungen in einem bestimmten Zeitraum gemeint ist.

Am Ende des Buchs steht das kurze Kapitel 9, „Werkzeugunterstützung“, in dem Arten von Requirements-Management-Werkzeugen vorgestellt und ihre Vor- und Nachteile skizziert werden. Als Methode zur fundierten Auswahl geeigneter Werkzeuge wird die Beurteilung jedes Werkzeugs aus verschiedenen Perspektiven empfohlen: Nämlich aus der Projektsicht, der Benutzersicht, der Produktsicht, der Prozesssicht, der Anbietersicht, der technischen Sicht und der betriebswirtschaftlichen Sicht.

„Basiswissen Requirements Engineering“ enthält eine Literaturliste und ein Glossar.

Besonderheiten:

Es handelt sich um das offizielle Lehrbuch für die Zertifizierung als Certified Professional for Requirements Engineering – Foundation Level: Der Inhalt entspricht dem Lehrplan des IREB (International Requirements Engineering Board). Das Buch basiert auf den sehr viel umfangreicheren Fachpublikationen „Requirements Engineering – Grundlagen, Prinzipien, Techniken“ von Klaus Pohl und „Requirements-Engineering und -Management – Aus der Praxis von klassisch bis agil“ von Chris Rupp. Außerdem haben noch weitere RE-Spezialisten bzw. Mitglieder des IREB zum Inhalt des Buchs beigetragen.

Zu den Autoren:

Prof. Dr. Klaus Pohl ist Professor für Software Systems Engineering an der Universität Duisburg-Essen, Mitglied des IREB-Thinktanks und Autor mehrerer Fachpublikationen zum Thema RE.

Chris Rupp, Gründerin und Vorsitzende des IREB e.V. sowie Gründerin und Geschäftsführende Gesellschafterin der Sophist GmbH, ist in der Weiterentwicklung von RE sowie in der praktischen RE-Projektberatung aktiv und ebenfalls Autorin mehrerer Fachpublikationen zu Thema.

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Fachbücher Anforderungsmanagement

Requirements-Engineering und -Management – Aus der Praxis von klassisch bis agil

rupp_150pxAutoren: Chris Rupp & die Sophisten
Hanser Verlag 2014 (6. Auflage)
556 Seiten
49,99 Euro (Hardcover inkl. E-Book) bzw. 39,99 Euro (E-Book)
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Buchcover: © Hanser

 

Zielgruppe:

Dieses umfangreiche Lehrbuch eignet sich besonders für Neulinge oder Personen mit RE-Basiskenntnissen, die in Theorie und Praxis tief in das Thema einsteigen wollen bzw. sich neue Impulse für ihren Arbeits-/Projektalltag wünschen. Gleichzeitig ist es ein Nachschlagewerk für alle, die sich mit der Erhebung und dem Management von Anforderungen beschäftigen, auch außerhalb der IT-Branche.

Inhalt:

„Requirements-Engineering und -Management – Aus der Praxis von klassisch bis agil“ besteht aus den sechs Teilen:

I. Requirements-Engineering zum Erfolg bringen
II. Anforderungen ermitteln
III. Anforderungen formulieren
IV. Anforderungen prüfen und bewerten
V. Anforderungen verwalten
VI. Spezialfälle meistern

Diese sind wiederum in insgesamt 23 Kapitel unterteilt. Die Gliederung entspricht dem chronologischen Ablauf eines RE-Projekts, wobei die theoretischen Abschnitte durch eine Rahmenhandlung zusammengehalten werden: Zwei Bibliothekare und zwei Requirements Engineers arbeiten an der Einführung eines neuen Verwaltungssystems in einer Bibliothek. Gemäß den Schritten ihres Vorgehens und den im Projekt auftretenden Herausforderungen und Diskussionen ist das Buch strukturiert. Dabei werden die Themen der einzelnen Projektabschnitte relativ detailliert dargestellt und es werden teils auch alternative Vorgehensweisen erläutert.

Ein Thema, das neu in die 6. Auflage integriert wurde, sind agile Vorgehensmodelle. Nach Ansicht der Autoren erfüllt gutes Requirements Engineering immer die Anforderungen eines agilen Vorgehens, sodass agile Vorgehensweisen keine Revolution im Requirements Engineering darstellen. Dennoch thematisieren die Autoren, wie RE in Scrum integriert bzw. als Scrum-Projekt umgesetzt werden kann und wie klassisches und agiles RE in der agilen Entwicklung eingesetzt werden können. Im letzten Teil des Buchs, „Spezialfälle meistern“, werden zudem Themen wie der Delta-Ansatz zur Weiterentwicklung eines bestehenden Produkts und das Persona-Konzept zur Verbesserung der Benutzerfreundlichkeit von Produkten vorgestellt.

Als Werkzeuge zur Anforderungserhebung und Anforderungsdokumentation werden das SOPHIST-Regelwerk (18 Regeln zur Vermeidung von Fehlern bei der Erhebung und Formulierung von Anforderungen) und der MASTER-Plan (eine Sammlung von Schablonen zur Formulierung von funktionalen und nicht-funktionalen Anforderungen sowie von Bedingungen) ausführlich vorgestellt. Die Beschreibungen dieser Werkzeuge und ihrer Anwendung haben besonders für RE-Einsteiger einen hohen praktischen Nutzen.

„Requirements-Engineering und -Management – Aus der Praxis von klassisch bis agil“ enthält eine Literaturliste und ein Glossar. Außerdem bietet das Buch über einen Link zur zugehörigen Lernplattform „Ilias“ dem Leser die Möglichkeit, nach jedem Kapitel das neu erworbene Wissen zu testen.

Besonderheiten:

Auffällig ist die Leserfreundlichkeit: Auch komplexe Themen werden auf fachlich hohem Niveau und zugleich sehr anschaulich dargestellt. Durch eine inhaltlich stets sinnvolle Gliederung, ein übersichtliches Layout und den durchdachten Einsatz von Farben, Schrifttypen und Illustrationen wird gewährleistet, dass der Leser den Überblick behält und nicht durch die große Menge an Informationen überfordert wird. Auch der Wechsel zwischen theoretischen und praxisbezogenen Darstellungen, die konsequente Erläuterung erklärungsbedürftiger Begriffe und Sachverhalte, die sprachliche Klarheit und die direkte Ansprache des Lesers sorgen dafür, dass der Leser aufmerksam bleibt und nicht den Faden verliert. Die von den Autoren propagierte „sophistische Grundphilosophie für jede Produktentwicklung, ‚Der Mensch ist das Maß aller Dinge’“, wurde glücklicherweise auch bei der Entwicklung des Buchs beherzigt.

Eine weitere Besonderheit des Buchs ist, dass es die interdisziplinären Grundlagen von Requirements Engineering klar hervorhebt. Die Autoren nutzen Erkenntnisse aus den Disziplinen Philosophie, Psychologie und Sprachwissenschaft, um Methoden des Requirements Engineerings zu entwickeln und anzuwenden. Da gerade bei der Erhebung von Anforderungen die zwischenmenschliche Kommunikation die entscheidende Rolle spielt und Anforderungen überwiegend in natürlicher Sprache formuliert werden, erscheint dieser interdisziplinäre Ansatz als sehr sinnvoll, auch wenn sich das Buch primär an Ingenieure bzw. Fachspezialisten aus dem IT-Bereich richtet.

Bedauerlich ist, dass einzelne Textbeiträge internationaler RE-Spezialisten als einfache Textblöcke in englischer Sprache abgedruckt sind. Selbst für Leser, die die englische Sprache sehr gut beherrschen, sind diese Abschnitte aufgrund des Fehlens von Erläuterungen und Illustrationen deutlich unattraktiver und schwerer verständlich als der deutsche Text.

Zu den Autoren:

Das Buch wurde von einem Autorenkollektiv unter Leitung von Chris Rupp erstellt. Rupp ist Gründerin und Vorsitzende des IREB e.V. sowie Gründerin und Geschäftsführende Gesellschafterin der Sophist GmbH. Die weiteren Autoren sind Mitarbeiter der Sophist GmbH sowie namhafte internationale RE-Experten.

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